Samstag, 12. Februar 2011

Salzige Äpfel und deftige Piroggen

In Russisch wurden wir umgesetzt. Dies hat zur Folge, dass ich jetzt neben einem Mädchen sitze, was mich zwar seit 5 Monaten kennt, mich aber dennoch die gesamte Stunde anstiert. Man kommt sich vor wie ein seltenes Ausstellungsstück in einem Museum.

In der Pause traf ich zufällig meine Biologielehrerin auf dem Schulflur an, sie lud mich ein, die Pause über bei ihr Tee zu trinken. Ich lehnte dankend ab - man muss es ja nicht mit der Ausnutzung der Gastfreundschaft übertreiben. Unbeirrt meinte sie, dass ich eine russische Delikatesse probieren müsse: salziger Apfel. Dies weckte meine Neugierde und ich folgte ihr. Im Vorbereitungskabinett probierte ich besagten Apfel. Während ich ihn zunächst interessiert beäugte, erklärte mir die Lehrerin, dass diese Äpfel, so wie Salzgurken eingelegt werden, damit man auch im Winter Äpfel essen kann. Ich biss hinein. Widerlich! Widerlichst! Ich aß tapfer den salzigen Apfel auf und beobachtete aus den Augenwinkeln eine Lehrerin, welche ebenfalls eine Frucht aß - nur das sie diese mit dem größten Genuss verzehrte…iiii

Am Abend gingen Xjuscha und ihre Mutter ein paar Besorgungen machen, weshalb ich beauftragt wurde, Dascha vom Kindergarten abzuholen.
Im Kindergarten angekommen sprang mir Dascha fröhlich entgegen und quasselte munter darauf los was sie so erlebt habe im Kindergarten. Routinemäßig schälte ich sie dabei in ihre Winterkleidung und machte mich mit ihr auf den Heimweg.
Als ich hier vor 5 Monaten ankam, wusste ich nicht mal wie man mit einem 3-jährigen Kind umgeht und jetzt hole ich es problemlos vom Kindergarten ab!

Nach dem Sandmann sah ich mir noch die Nachrichten an. Aufgrund des Tauwetters gab es mehrere Tote oder Schwerverletzte - Ursache: Herunterfallende Eiszapfen oder Dachlawinen. Meine Gastmutter ermahnte mich Häuserränder zu meiden.




Am Dienstag wollte ich herausfinden, wann ich eigentlich nach Hause fahre - reine Neugierde. Ich fragte meine Englischlehrerin (und YFU- Freiwillige). Sie hat keine Ahnung. Ich fragte Katja (YFU Zuständige) sie hat keine Ahnung. Super. Immerhin sind 5 Monate meines 10 monatigen Austausches vorbei - da interessiert es mich schon ein bisschen, wann genau ich abreise.

Am Abend ging ich wieder zum Bauchtanz. Es stellt sich mittlerweile als Problem heraus, dass ich keinen Bauch habe. Dennoch macht es mir wirklich großen Spaß!

Donnerstags lud mich meine Gastmutter zu einem Theaterstück ein. Besagtes Stück würde auf Tschuwaschisch von ihrer 2. Klasse aufgeführt werden. Es war das russische Märchen „Kolobok“ – „der Kloß“ , welches sie aufführten. Die anderen 2. Klassen führte u.a. „Die Rübe“ auf.



Kinder beim Theaterstück in traditioneller Kleidung.


Freitag war ein wundervoller Tag. Schon alleine, dass es zum Mittag in der Schulspeisung „Plow“ gab, war ein eindeutiger Hinweis darauf. Außerdem war Freitag eine Art kleines Jubiläum für mich, da ich es mittlerweile hinbekommen habe seit einem Monat jedesmal einen Sitzplatz im Trolleybus zu ergattern! Dies grenzt an ein Wunder - mal sehen wie lange sich das fortsetzen lässt.
Die absolute Krönung des Freitages war allerdings, dass ich mit einer Freundin skypte, zu welcher ich seit 5 Monaten kaum Kontakt hatte. Sie ist zzt. in Neuseeland und ebenfalls Austauschler. Ich liebe Technik! 10 Stunden Zeitunterschied und ein Ozean werden überwunden und sie erscheint auf meinem Bildschirm. Jeha!

Grund zur Freude hatten am Samstag alle Grundschüler, denn das Thermometer zeigte stolze –25°C an, was ihnen erlaubte zuhause zu bleiben. Da ich leider keine Grundschülerin bin, musste ich mich wieder mal an einem Samstag in die Schule quälen.
Den ganzen Schultag über freute ich mich auf das Mittagessen, denn als ich mich auf den Weg zur Schule machte, begann die „Oma“ Piroggen zu backen. Ich liebe diese Teigtaschen!
Als ich von der Schule zurückkehrte war der Teig gerade mal fertig mit ruhen - es gab also noch jede Menge zu tun. Ich nutze die Gelegenheit, um zu helfen und das Rezept zu hinterfragen. Diesmal buken wir eine andere Sorte Piroggen, welche mir bisher unbekannt war: Kraut und Ei - wirklich sehr lecker. Ich kenne nun also schon gefüllte Teigtaschen mit Kartoffeln, Pilzen und Kartoffeln, Kraut und Gehacktem, Kraut und Ei und mit Apfel. Meine Lieblingssorte: mit Kartoffeln.
Während des Backens unterhielt ich mich mit der „Oma“. Sie gab mir allerhand Tipps, damit ich auch ja nichts falsch mache, wenn ich versuche Piroggen in Deutschland zuzubereiten…
Beim Essen erzählte meine Gastmutter, dass für nächste Woche wieder Temperaturen zwischen –25°C und –30°C angesagt wurden. Ich hoffe es wird richtig kalt, denn dann wird die Schule geschlossen und wir haben Kälteausfall.

Fazit: Ich habe innerhalb von 5 Monaten viel dazu gelernt: Umgang mit Kleinkindern, Verbesserung meiner Sprachfähigkeiten, neue Rezepte, neue Delikatessen, Leben in einem anderen Land, Selbstständigkeit..."

Fröhliche Ferien wünsche ich den Schülern in meiner Heimat!

Lotte



PS.: Ich habe noch einmal Xjuscha zu „der Heiligen Quelle“ befragt. Es wird noch mysteriöser: Nicht nur, dass die Quelle im Winter nicht zufriert, nein sie ist immer ca. 4°C warm! Als hier die schreckliche Hitze im Sommer war (40°C), war Xjuscha dort und hat sich im kalten Wasser reinwaschen können…

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