Mittwoch, 6. Juli 2011

Der letzte Eintrag

Dies ist also das letzte mal, dass ich euch von meinen Erlebnissen im fernen Tscheboksary erzähle.
Einen Tag nach der Moskaureise hatte ich vermutlich eine leichte Lebensmittelvergiftung. Jedenfalls ging es mir schrecklich, ich sah so aus und fühlte mich auch so. Was mich im Hinblick auf meine baldige Heimreise schon etwas nervös machte. Doch einen Tag später war bereits alles wieder in Butter und am 27. konnte ich mich dem Kofferpacken widmen. Am 28. verabschiedete ich mich zunächst von dem „Mütterchen“, dann Xjuschas Vater, seiner Frau und Jana. Wir saßen am Tisch, aßen Torte, redeten - nebenbei lief wie gewohnt der Fernseher. Schließlich standen Xjuscha und ich in der Tür und mir wurden letzte Segenswünsche auf den Weg gegeben. Als Xjuscha und ich das Haus verließen und die Straße entlanggingen, winkten sie zu dritt aus dem Fenster. Ein Anblick, welcher sich in mein Hirn gebrannt hat.
Und am 29. war dann auch schon die Verabschiedungsfeier von meiner so lieb gewonnenen, russischen Familie. Doch zunächst hieß es: Festtafel vorbereiten. Bei meiner Gastmutter und mir fehlte jegliche gute Stimmung, welche bekannter Weise (zumindest jedem, der schon mal gekocht hat) nötig ist, um etwas wirklich leckeres zuzubereiten. Als die „Oma“ kam versanken wir im Stress. Mein Kuchenteig war mehr Knete als Teig, und es war noch viel zu tun. Die „Oma“ lockerte etwas die Stimmung, half und machte Pluschki (Gebäckschnecken). Als Xjuscha noch hinzu kam schnippelten und kochte acht fleißige Hände, das Gemüt wurde sonniger. Aus meinem verhunzten Bienenstich wurde ein Kuchen mit Bananenfüllung und Mandeldach. :D
Um sechs kamen die Gäste. Nur wegen mir kamen stolze dreizehn Gäste (und nein, ich bin nicht abergläubig). Es war - wie immer - eine muntere Runde, es wurde auf mein Wohl angestoßen und kleine Reden geschwungen. Ich habe sehr, sehr viele Komplimente und liebe Worte an dem Abend gehört (sogar Lehrer aus meiner Schule ließen Grüße ausrichten), welche ich an dieser Stelle nicht wiederholen möchte.
Jedenfalls, so meinte man, steht mir hier immer die Tür offen - nicht nur bei meiner Gastmutter - sogar der Bruder meines Gastvaters lud mich ein, mal zu ihm nach St. Petersburg zu kommen. Jeha- Vitamin B (= Beziehungen) lässt grüßen. :D Die ersten Gäste verabschiedeten sich. Viele Worte. Geschenke. Etwas Trübsal. Zum Schluss blieb eine kleine Runde am Tisch sitzen: Xjuscha, die „Oma“, ihr Lebensgefährte, der Bruder meines Gastvaters, dessen Mutter und ich. Wir spielte bis gegen 1 „Dummkopf“- eine - wie ich finde - der besten Möglichkeiten seinen letzen Abend hier zu verbringen. Als ich die Runde anschließend auflöste, sahen Xjuscha und ich noch bis halb drei „der Teufel trägt Prada“. Während des Sehens schoss mir kurzzeitig ein Gedanke durch den Kopf: heute. Es ist schon seltsam. Da denkt man die gesamten 10 Monate: „Noch x Monate…“, kann es manchmal kaum erwarten, dass man seine Lieben in Deutschland wiedersieht und dann, wenn es Wirklichkeit wird, will man es nicht mehr - obwohl eigentlich schon, aber irgendwie doch nicht - es ist schwer zu erklären.

Am Mittag des letzen Tages in Tscheboksary überraschte man mich. Und an dieser Stelle wieder: Ich liebe die russische Mentalität! :D Ich weiß gar nicht mehr, ob ich euch damals davon berichtet habe, dass wir, als wir die Pakete nach Deutschland aufgaben, mit der jungen Postangestellten ins Gespräch kamen - so von wegen Deutsche 10 Monate, ohne Eltern, Russland wie super und sie habe auch eine Freundin, welche ein Jahr in Deutschland verbracht habe. Jedenfalls quatschten wir damals ganz angenehm. Und heute bekam ich einen Anruf von ihr! Ich bin fast nicht mehr geworden! Da hat man dieses Mädchen einmal im Leben gesehen und drei Wochen später ruft sie an, nur, um eine gute Rückreise zu wünschen. Hach nee.. solche Situationen werde ich in Deutschland vermissen… :D

Gegen eins befand ich mich mit Natascha und Xjuscha im Kino, danach gingen wir mit allen meinen Freunden ins McDonalds (ich weiß: suuuper Ort :D). Lera und Nastina kamen sogar mit kleinen Abschiedsgeschenken und Natascha hat mich sogar Portraitiert (sie kann das wirklich!). Doch insgesamt muss ich zugeben, dass mir der Abschied von meinen Freunden dort nicht sooo schwer viel.
Am Abend fand sich wieder eine kleine Runde in meinem russischen Heim zusammen. Ich packte das letzte Zeug zusammen, als Dascha mit ihrem Dreirad ins Zimmer fuhr, zunächst auf den riesigen Koffer und dann auf mich, mit ihre großen Augen sah:
„Fährst du wieder nach Deutschland?“
„Ja, Daschenka…“ Sagte ich etwas traurig. Das kleine Mädchen sah mich mit ihren großen Augen an, ihr Blick erhellte sich plötzlich:
„Na dann mach mal Platz, ich komm' mit meinem Dreirad nicht durch!“

Nach dem letzen gemeinsamen Essen brachten mich meine Russische Mutter, Xjuscha, Dascha, die „Oma“ mit Sohn, Lebensgefährte und Enkelin zum vereinbarten Treffpunkt. Der Weg war schwer. Ich sah mich oft um, denn ich wusste ich würde all das für lange Zeit nicht wiedersehen…der kleine Kiosk… die wunderschöne Kirche… Straße…die Bushaltestelle…Schulweg…schöner Sonnenuntergang… Xjuscha hatte bereits etwas gerötete Augen.
Am Treffpunkt warteten wir etwas, bis schließlich Katjas Vater mit einem Pickup vorfuhr und mein Gepäck eingeladen wurde. Auch Clemens (der andere Deutsche) kam bald mit einer Gruppe von Freunden. Sie verabschiedeten ihn, indem sie ihn hochhoben und mehrmals laut jubelnd in die Luft warfen. Als die erfuhren, dass ich auch abreisen müsse, wurde auch ich jubelnd in die Luft geworfen. :D Doch auch diese kleine Auflockerung vermochte nicht die Traurigkeit des Momentes zu überspielen. Ich verabschiedete mich von allen, als ich die „Oma“ umarmte war mir zum Heulen zu mute… als mich Xjuscha, welche nicht gern Schwäche, schon gar nicht vor anderen Leuten, zeigt, weinend ansah und wir uns umarmten, war es zu spät. Ich musste weinen. Ins Auto. Losfahren. Winken aus dem Fenster. Beruhigen.
Der entscheidende Unterschied, warum der Abschied aus meiner deutschen Heimat leichter fiel, als der von meiner russischen, ist der dass alles wieder kommt. Ich wusste genau, dass ich meine Familie, Schule, Freunde und meine kleine, grüne Stadt wiedersehen würde. Aber bei Tscheboksary wird es nie wieder so sein. Ich habe einfach nicht die Möglichkeit noch einmal ein ganzes Jahr dort zu verbringen - alles was bleibt sind Ferienbesuche.
Wir holten die Italienerin und Sophia (Deutsche) ab. Das selbe in grün mit vielen Tränen.
Es war mittlerweile gegen 23:00 doch niemand dachte an Schlafen. Wir unterhielten uns - auf russisch. Der Vater (und Fahrer) war schwer beeindruckt und erinnerte an die gemeinsame Fahrt vor 10 Monaten: Damals unterhielten wir uns nur untereinander auf Deutsch, allerdings kaum mit unsrem Fahrer und jetzt, 10 Monate später, unterhielten wir uns sogar untereinander auf Russisch!
Gegen zwei waren wir am Flughafen Kasan. Warten. Wir trafen einen Bekannten von Clemens, welcher in der Armee dient, sehr netter Mann, welcher uns bis zum Abflug Gesellschaft leistete und sogar Spiele mitspielte. Um 5 flog die Italienerin.
Die übrige Wartezeit nutze ich u.a. um mir mein Abschiedsfotoalbum, welches mir meine russische Familie geschenkt hatte, anzusehen. Bilder, Abschiedsbriefe meiner Freunde, liebe Worte meiner Familie- wieder war mir etwas weinerlich.
Um 7 gingen wir, die übrigen, zum Check in. Und dann kamen die unerhofften Komplikationen. Ich zeigte mein Elektronisches Ticket und wurde problemlos weiter gelassen. Doch meine Mitreisenden nicht. Eine halbe Stunde Stress. Das Ticket sei richtig, doch der Computer fände die Namen nicht in der Liste = kein Flug = kein Anschlussflug =kein Seminar. Sophia war fertig mit den Nerven. Schließlich stellten sie fest, dass nur die Verbindung zwischen Computer und Flugzeug unterbrochen worden war, deshalb die Namen nicht auffindbar waren. Sie wurden durchgelassen. In einem leeren Bus, abgesehen von uns drein, fuhren wir noch schnell zum Flugzeug, nahmen Platz und hoben ab.
In Moskau angekommen, war Routinearbeit angesagt. Kofferabholen, Elektronisches Ticket gegen echtes Ticket tauschen, Koffer abgeben, Nacktscanner, im richtigen Gate Platznehmen und warten. Hier hörte ich zum ersten mal seit langem wieder Deutsch. Der Flug war von Moskau nach Berlin gebucht, weshalb man hier nun auch deutsche Geschäftsmänner antraf. Eine seltsame Sprache. Wir begannen wieder auf Deutsch zu sprechen, doch hörten bald damit auf, da Russisch leichter fiel und wir noch so lange wie möglich in Übung bleiben wollten- Vergessen werden wir so wieso bei Zeiten…
Aus dem Flugzeug warf ich einen letzten Blick auf Russland.

Am Flughafen Berlin Tegel angekommen wurden wir von einem YFU- Mitarbeiter empfangen und gleich um Mithilfe gebeten. Wir halfen gern noch die anderen Heimkehrer in Empfang zu nehmen (da einige gleichzeitig, mit unterschiedlichen Maschinen, ankamen). Und dann gab es ein großes Hallo! Ich traf meine Freunde von der Vorbereitungstagung wieder, einige waren in Ungarn, andere in Schweden oder Finnland gewesen – es gab viel Gesprächsstoff und jede Menge Freude!
Mit dem Bus fuhren wir weiter zum YES (Young European Seminar). Dort angekommen bekam jeder ein Namensschild, worauf eine Karte der Jugendherberge zu sehen war, der Name, die Flaggen des Heimatlandes und des Austauschlandes und auf der Rückseite eine Art Stundenplan. Auf diesem Seminar arbeiteten wir unsere Erlebnisse im Austauschland auf und bereiteten uns auf die kommenden, in der Heimat, vor. Außerdem sprachen wir über Themen wie: Unterschied zwischen Europa, E.U. und Schengen- vor und Nachteile? Im allgemeinen war das Thema Grenzen (alle- also persönliche, religiöse, geographische…).
Vom 1. bis zum 5. Juli dauerte dieses hochinteressante und spaßige Seminar an- wobei ich an YFU ein rieeesiges Dankeschön aussprechen möchte!
Das wunderbare an dem Seminar war, dass Lernen und Spaß verbunden wurde. So hatte man viel Zeit, um neue, interessante Leute kennen zu lernen, denn alle von YFU, welche ihren Austausch, dieses Jahr, in Europa machten waren auf diesem Seminar (über 500). Man konnte sich mit Dänen, welche in Finnland waren unterhalten und zwei Minuten später bereits mit einer Französin, welche in der Türkei war. Dies sorgte für viele Neue Erkenntnisse und Freundschaften.
Übrigens fiel mir die Umstellung von Russisch auf Deutsch bzw. Englisch nicht so leicht. Am ersten Morgen begrüßte ich alle verschlafen mit einem „Dobroe utro!“, dann verwirrt mit „Guten Morgen!“ und schließlich mit „Good morning!“ – denn man erkennt ja nicht sofort die Identität eines Mädchens, welches man im Schlafanzug im Korridor antrifft.

Ich muss zugeben, dass ich am Anfang etwas traurig war, da ich glaubte, dass niemand russischsprachiges vertreten war, bis ich am Essenstisch einen Moldawier kennen lernte (in Moldawien spricht man Rumänisch und Russisch). Ich setzte mich sofort zu ihm und frischte mein Russisch auf. Nach ca. 15 Minuten fragt er mich woher ich eigentlich komme:
„Rat mal!“
„Ehh… Russland? Ukraine?“
„Hihi. Nein Deutschland“
Ihm fiel die Gabel aus der Hand.
„WAS? DU HAST KEINEN AKZENT? NUR MANCHMAL EIN BISSCHEN!! ICH DACHTE DU WÄRST AUS IRGEND EINEM RUSSISCHSPRACHIGEM LAND.AAAA“
Ich lachte. Er stellte mich seinen moldawischen Freunden vor:
20 Moldawier starren dich gespannt an:
„Sag mal was!“ :D
Auf dem YES traf ich auch die Moldawierin wieder, welche in meiner Familie das Jahr verbrachte. Wir unterhielten uns angeregt und sie brachte mich auf den neusten Stand in Bezug auf meine Familie.
Doch auch dieses Multikulturelle Treffen hatte ein Ende und wieder hieß es Abschiednehmen.

Gegen 8 stand ich am Bus, welcher die Ungarn und Schwedenaustauschler nach Hause bringen würde und verabschiedete meine Freunde. Zum Glück hatte der Reisebus Verspätung und die Gesellschaft konnte mir die Aufregung nehmen. Meine Eltern würden mich abholen kommen. Um 8:09 schrieb meine Mutter eine SMS : „Noch ca. 50km…“. Sieben Minuten später: „40 km..“ und schließlich schrieb sie: „Gleich…“ Hibbelig und einem Herzkasper nahe stand ich am Bus mit meinen Freunden, bis ich etwas sah: Meine Eltern! Sind das meine Eltern? Das sind doch meine Eltern! Leicht schubste ich meine Freund zur Seite und rief über den ganzen Platz: „Meine Eltern! Das sind meine Eltern!“ Sprang über Koffer und Gepäckstücke und fiel ihnen in die Arme. Meine Mutter weinte vor Glück und auch ich ein bisschen (obwohl ich von mir damit wirklich nicht gerechnet hatte). Ich verabschiedete mich von allen, meldete mich ab und stieg in unser Auto. Während wir zu meinen Großeltern fuhren erzählten wir ununterbrochen, was in dem Jahr vorgefallen war, denn obwohl ich Blog schreibe, gab es eine Menge zu erzählen. Warum mein Zwilling mich nicht abholte? Sie hat Praktikum, passender Weise in der Stadt, in welcher meine Großeltern wohnen. Seit einem Monat bereits war sie todunglücklich, dass sie mich als letzte sehen würde, obwohl sie doch die wichtigste für mich ist. Tja, falsch gedacht. Überraschung!! Meine Eltern setzten mich am Fotoladen ab, ich betrat diesen und verlangte die Praktikantin. Meine Schwester sah mich und fiel mir weinend um den Hals. Ich glaube erst da wurde mir so richtig bewusst wie sehr sie mich vermisst haben muss. Mit roten Augen und einem fröhlichen Lächeln meinte sie nur: „Du bist blöd!“ Und fiel mir wieder um den Hals. Die Chefin nahm es gelassen, da Schwesterlein offenbar schon von mir erzählt haben muss. So wurde ich während normaler Arbeitszeit zu Kaffee und Kuchen gebeten und konnte mich mit meiner Schwester unterhalten.
Darauf folgte das Wiedersehen mit meinen Großeltern und meiner Großtante. Wie ich sie alle vermisst habe. Es gab Mittag. Wir unterhielten uns lange.
Alles fühlte sich so vertraut an: keine peinliche Stille oder „blöde Fragen“.
JEHA ich bin Zuhause! Vor mir liegt das Treffen mit meinen anderen Großeltern und Verwandten, Freunden und der Einzug in mein „altes Zimmer“.
Ich könnte platzen vor Glück.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass sich mein Austauschjahr sehr gelohnt hat und dass ich jedem diese lebensverändernde Erfahrung weiterempfehlen kann. Lebensverändernd? Ja, lebensverändernd. Mit meiner Reise nach Russland habe ich nicht nur meinen Lebensweg in eine neue Richtung gelenkt, sondern auch das Leben der Menschen, welche ich auf dem Wegabschnitt „Russland“ traf, habe ich zumindest ein wenig beeinflusst. Einige haben ihre Einstellung zu Deutschland geändert- vielleicht auch etwas die Sichtweise auf ihr eigenes Land und nicht zu letzt fand ich gute Freundschaften und eine zweite Familie, welche mich ihrer Aussage zufolge immer herzlich willkommen heißen.
Dennoch muss ich sagen, dass ich mir ein Austauschjahr wesentlich einfacher vorgestellt habe. Vermutlich entsteht dieser Eindruck durch die Austauschler, welche fröhliche Gruppenfotos zeigen und von ihren tollen Erlebnissen berichten. Natürlich ist ein solches Jahr voll von schönen und aufregenden Momenten aber auch von schwierigen, voll von Heimweh und Überforderung. Es ist klar, dass keiner nach Hause kommt und beginnt die Probleme, welche er mal vor 5 Monaten gehabt hat aufzuarbeiten. Es entsteht allerdings leicht der Eindruck, dass ein Austauschjahr eher ein „juhu ich nehm ein Jahr Auszeit von der Schule, begebe mich in ein spaßiges, aufregendes Leben und lerne nebenbei eine Sprache“ Jahr ist. Dies ist allerdings nur eine Seite der Medaille. Dieser Abschnitt ist vor allem zukünftigen Austauschlern- ich werde für euch mal etwas licht auf die „dunkle“ Seite der Medaille werfen- nicht um euch zu erschrecken, sondern vorzubereiten. Meiner Meinung nach ist es besser die ganze Wahrheit zu kennen und sich darauf gefasst zu machen- obwohl sich das an dieser Stelle fast schon zu dramatisch anhört.

1. Bei Problemen- egal welcher Art- versucht diese zunächst selbst zu klären. Wenn euch das nicht gelinkt bittet eure zuständigen Betreuer euch zu helfen. Auf keinen Fall zieht eure leiblichen Eltern in der Ferne hinzu. Nur in den seltensten Fällen können sie euch helfen – ihr bewirkt also eher unnötige Aufregung.

2. Kontakt mit den Eltern, Verwandten und Freunden so gering wie möglich halten. Jeder reagiert anders- den einen Erleichtern ein Skypegespräch und beim anderen führt es nur zu schrecklichem Heimweh. Allerdings bei jedem führt es zu einem Verlangsamen des Prozesses des Einlebens im neuen Heim und dem Erlernen der Sprache. Verständnis sollte hierbei auf beiden Seiten (Eltern und Kind) vorherrschen!

3. Macht euch auf Zunahme eures Gewichtes gefasst. Ihr mögt jetzt schmunzeln und sagen: „Ja klar- ich doch nicht!“ Pustekuchen! Selbst ich, welche in Deutschland nie Sport getrieben hat und permanent Süßkram in sich gestopft hat ist von 53kg auf 60kg “herangewachsen“ (und damit bin ich bei weitem nicht die einige). Mein Tipp also: Nicht warten bis man fett ist und dann unglücklich vorm Spiegel stehen, sondern gleich eine Möglichkeit Sport zu treiben ausfindig machen. Ansonsten sollte man es entspannt sehen das Austauschjahr ist einmalig im Leben, somit auch die kulinarischen Raffinessen und deren Auswirkungen.

4. Allen vergebenen, glücklichen Paare, von welche vom Austausch “betroffen“ sind, sage ich folgendes: trennt euch. Fernbeziehung hält in den seltensten Fällen (und mit selten meine ich selten und nicht das ihr zu den Auserwählen gehört). Falls es euch aufgefallen ist: Ich habe seit langem nichts mehr von meinem Freund geschrieben- das liegt daran, dass er mittlerweile die Vorsilbe „Ex“ trägt (wieder bin ich nicht die Einzige, der dies wiederfahren ist)… Tipp: Trennt euch im Guten. Man sollte sein Austauschjahr- jede einzelne Sekunde- genießen und nicht schmachtend mit dem Liebsten chatten. Nach Beendigung des Jahres könnt ihr es ja wieder miteinander versuchen.

Wie ihr seht: die „Schattenseite“ besteht gerade mal aus 4 Punkten, welche man durchaus überlebt. ;-)

Positives gibts es dafür viel mehr: Erfahrungen, Verständnis für eine andere Kultur, neue Freunde, Sprachsicherheit, Spaß, eine zweite Familie, Erweiterung des eigenen Horizonts, Wachsen über sich selbst hinaus...usw..

Ich hoffe ich konnte durch diesen Blog etwas Verdeutlichen, wie das Leben eines Austauschlers aussieht und vielleicht einige Unentschlossene zum Austausch ermutigen. Ganz besonders allerdings hoffe ich, durch dieses Buch mein eigentliches Anliegen, welches mich überhaupt dazu brachte schriftstellerisch tätig zu werden, erfüllt zu haben, indem ich ein paar Vorurteile, im Bezug auf Russland, entkräften und diese vielleicht sogar neue, positive Eindrücke ersetzen konnte.

Ich danke euch für eure treue Lesebereitschaft- es war mir eine Freude für euch zu schreiben.

Liebe Grüße

Lotte

Fazit: „Zu Gast ist es schöner, Zuhause am schönsten
.“

Kommentare:

  1. Ach jetzt muss ich mir wieder was neues zu Lesen suchen ;-)
    Alles Gute und Willkommen zurück in Deutschland. Liebe Grüße an deinen Papa :-)

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  2. So ganz zum Schluß möchte ich auch Danke sagen. Dein wundervoller Blog hat mich wieder an die Zeit meines Austausches erinnert. Und auch wenn meiner ganz anders, auf der anderen Seite der Welt war, war er irgendwie auch ganz genauso. Die kleinen und großen Probleme, die Auf und Abs, die kulturellen Verwechslungen, die Hochgefühle, als Einheimischer gesehen zu werden, obwohl man den Mund aufmachte - und das Gefühl wieder Heim zu kommen. Ganz ernsthaft, an der Stelle hab ich beinah geheult, einfach weil es mich an "meinen emotionalsten Moment" erinnerte. Es war wirklich toll, durch dich an einer weiteren kulturellen Austausch-Erfahrung teilgehabt haben zu dürfen. Ich hoffe für dich, dass du möglichst lange es schaffst, den Kontakt zu halten. Ich wünsche dir tolle Ferien und einen möglichst "smoothen" Start in den "deutschen" Alltagstrott.

    datmomolein
    (eine begeisterte Leserin, fast von Anfang an)

    PS: und zu Punkt 4: Du hast ja so so so (zigmal unterstrichen) recht, nur leider wird das keiner glauben oder ernst nehmen - vorher. (Da können noch so viele vor warnen und ins Gewissen reden). Ich habe in meinem Jahr viele, viele traurige Austauschler trösten müssen, einige haben abgebrochen (für nichts und wieder nichts). Ich war sehr froh, dass mir das erspart blieb und ich somit in jeglicher Form frei in meinem Jahr entfalten konnte. (Auch wenn ich das einzige AuPair meiner GastFamilie war, dass sie nicht erfolgreich dort verheiraten konnten...) Heimweh nach der Familie/Freunden ist wirklich ausreichend, und auch Punkt 2 ist so wahr, hat mich der Besuch meines Schwesterherz doch auch im nachhinein viel Herzschmerz gekostet. Aber eben auch gemeinsame, überlappende Erinnerungen...

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